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die Grazerin – Coverstory 2015

16. September 2026 · 9 min Lesezeit

Dirndl & Boots

Text & Interview: Hedi Grager

Theresa Schöffel-Zahlbruckner liebt es chic und unkompliziert, malerisch und wild bedruckt. Eine grosse Designerin, der Kreativität schon in die Wege gelegt wurde, im Grazerin-Talk.

Umgeben von Wald und Wiese geht es über eine steile Holztreppe hinauf in den ersten Stock einer alten Scheune. Hier hängen Bilder, die sie gemalt hat, liegen ihre Zeichnungen und bedruckten Stoffe, ihre neuesten Modelle und natürlich ihr „Werkzeug“.

Wir besuchten die attraktive, sympathische und kommunikative Designerin in ihrem unglaublich gemütlichen Atelier in Stainz, nur wenige Schritte von ihrem Wohnhaus entfernt.

Resi, du entwirfst nicht nur deine Motive, du bedruckst deine Stoffe auch selbst?

Schöffel-Zahlbruckner: „Die Male-rei, das Experimentieren mit Farben interessierte mich schon immer. Schon als ich die Kunstgewerbeschule in Graz und danach die Modeschule Hetzendorf besuchte, wollte ich den Siebdruck er-lernen, um meine eigenen Stoffe zu dru-cken, aber leider wurde dieser Lehrgang damals nicht angeboten.“

Also hat sich jetzt ein Traum erfüllt?

Schöffel-Zahlbruckner: „Absolut. Die letzten drei Jahre waren wirklich harte Aufbauarbeit. Ich habe Qualitäten getestet und alle meine Schnitte entwickelt und perfektioniert. Und jetzt läuft es wirklich super.“

Du hast dir dazu sogar alte Model gekauft?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich hatte das Glück, von der Besitzerin einer alten Druckerei 400 alte Holz- und Metall-model mit schönen alten Motiven und Brauchtumssymbolen, die um die Jahrhundertwende geschnitzt wurden, zu bekommen.“

Du gibst Kurse, damit das Brauchtum nicht verloren geht?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ja, das habe ich ihr versprechen müssen, als ich die Model kaufte. Mir fehlt zwar ein bisschen die Zeit dazu, aber ich mache das in Schulen oder Frauenhäusern. Kürzlich war ich in der Schule in Preding und habe mit den Schülern Seidenkrawatten, Seidentücher und T-Shirts für den Abschlussabend in der 4. Klasse gedruckt.“

Macht dir das Freude?

Schöffel-Zahlbruckner: „Und wie! Vor allem finde ich es wahnsinnig wichtig, dass die Jugend nicht nur vor dem Computer oder Fernseher sitzt. Auch wenn sie anfangs ein bisschen skeptisch schau-en, macht es ihnen nach einiger Zeit viel Spaß.“

Warst du schon als Kind kreativ?

Schöffel-Zahlbruckner: „Wenn meine Freundinnen auf Urlaub ins Segellager fuhren, stieg ich lieber auf die Brandlucke bei St. Kathrein am Offenegg und machte einen Aquarellkurs. Oder ich stickte mit meiner Mutter. Ich liebte es schon immer, mit Farben zu experimentieren.“

Was sind deine bevorzugten Materialien?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich verwende sehr hochwertige Baumwolle für Dirndln, Tischtücher und Bademäntel und mache aus Batist Pareotücher, Nachthemden, Dirndlschürzen, Blusen und die tollsten Sommerröcke, die man sich vorstellen kann. Mein ganzer Stolz ist der Batist, da er sehr schwer zu bedrucken, aber im Sommer wunderschön ist.“

 

Die Designerin beim Zeichen in ihrem gemütlichen Dachboden-Atelier in Stainz.

Du verwendest aber auch Seide und Leinen…

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich habe heuer aus Dupionseide einen leichten kurzen ‚Mantel‘ gemacht, den man über dem Bikini tragen kann, der ist allerdings schon ausverkauft. Auch Nina Rindt hat einen davon. Aus Seide gibt’s natürlich Schürzen, elegante Röcke, Tücher und auch Pölster. Und aus Leinen mache ich Dirndlleiberl, Boxershorts, Sonnenschir-me, Kindersessel und auch Regenmän-tel.“ Regenmäntel??

Schöffel-Zahlbruckner: (lacht) ,Ja, Trenchcoats aus imprägniertem Leinen.“ (Sie führt auch gleich vor, dass Wasser wirklich an ihrem Regenmantel abperlt.)

Ich habe das Gefühl, es gibt für dich keinen Stoff, den du nicht bedrucken wür-dest…?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich bedrucke jeden Stoff und diesbezüglich wird es noch einige Überraschungen geben. Ach ja, mit Lederimitat arbeite ich auch.“

Bleibst du so bunt?

Schöffel-Zahlbruckner: „Schau dich um, ich lebe am Land inmitten dieses Farbenwahnsinns und bin deshalb auch so farbenfroh. Ich merke aber, dass ich langsam auch zu weniger Farben und schlichteren Ornamenten tendiere.“

„Die Malerei, also das Experimentieren mit Farben, interessierte mich immer schon“, verriet die Designerin.

Du entwirfst auch sehr viele Hochzeitskleider?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ja, ich habe ein paar schöne Kleider für ganz junge Bräute machen dürfen. Da habe ich cremefarbene Seide weiß bedruckt, das schaut dann wie eine Spitze aus.“

Kürzlich warst du in Indien… Hast du dir Inspiration geholt?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich war stundenlang in Stoffläden. Inspiration bekomme ich aber von allem und überall.

In Indien interessierten mich die Farb-kombinationen der verschiedenen Saris, denn es waren Farbkombinationen, die ich nicht verwendet hätte. Meist kommen mir die Ideen zu meinen Kollektionen im Sommerurlaub am Wörthersee.

Als es vor drei Jahren so heiß war, dachte ich, ich brauch einen Bademantel, den ich über den Bikini anziehen kann. Letztes Jahr war mehr Regen und da dachte ich, ein cooler Regenmantel wäre toll. So entstand mein Regenmantel.“

Du hast auch einen Elefanten als Motiv …

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich habe mir nach dem Kauf der Holzmodel lustiger-weise vier herausgeholt, die mir gefallen haben, und mit diesen vor zwei Jahren die Kollektion für heuer entworfen. Und da war ein Elefant dabei. Ich wusste damals aber noch nicht, dass ich heuer nach Indien fahren werde oder dass der Rüssel nach oben Glück bedeutet. Ich habe nur gemerkt, wie viele Menschen Elefanten lieben. Den Elefanten gibt es jetzt in Pink, Rosa, Türkis und Schwarz auf weißem Untergrund und im nächsten Jahr auf orangem, blauem und gelbem Untergrund.“

In welchen Abständen entsteht eine neue Kollektion?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ende nächsten Jahres werden wieder vier Model auserkoren und mit denen arbeite ich wieder zwei Jahre lang.“

Du hast bestimmt auch viele promi-nente Kunden….?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich habe beispielsweise das Hochzeitskleid der Grazerin Tini Manninger, jetzt Ferragamo, nachdem sie in den Modeclan Ferragamo eingeheiratet hat, entworfen. Es war eine Maßarbeit mit ungefähr loo Knöpfen. Zur Anprobe bin ich nach Florenz gereist.Meine Kunden schätzen Handarbeit und Qualität, es gibt keine Schürze, die nicht handgezogen ist.“

Du wohnst sehr romantisch und ruhig in einem alten Bauernhaus, gemeinsam mit vielen Tieren.

Schöffel-Zahlbruckner: „Meine Tochter hat hier zusammen mit meinem Mann Pferde, wir haben Katzen, von den Hühnern bekommen wir die Eier und die Laufenten sind einfach süß zu beobach-ten. Unsere Kinder kümmern sich toll um unsere Tiere.“

Wie bringst du Familie und Job so funktionierend unter einen Hut?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich rattere von sechs Uhr morgens bis spätabends herum. Unsere Kinder sind wirklich sehr brav. Valentin ist 12 und Louise 14. Was bei mir aber wegfällt, sind kulturelle Geschichten, Abendessen mit Freunden oder Spontanausflüge. Das geht sich nicht aus. Ich freue mich deshalb immer sehr, wenn wir am Wochenende Besuch bekommen.“

Das heißt, du brauchst die Ruhe hier …

Schöffel-Zahlbruckner: „Mein Zuhause in Stainz ist mein Ruhepol. Am liebsten würde ich mich ein paar Wochen hier einsperren und nur in Ruhe arbeiten, einfach nur überlegen, zeichnen, malen, entwerfen, basteln und drucken. Nach ein paar Wochen muss ich aber raus, muss ein gutes Glaserl Wein trinken, Freunde treffen und quatschen. Nach einem Arbeitstag in meinem Grazer Atelier gehe ich am Abend gerne noch kurz was trin-ken.“

Woher schöpfst du Kraft?

Schöffel-Zahlbruckner: „Aus meiner Kreativität und natürlich meiner Fami-lie!“

Tust du manchmal gar nichts?

Schöffel-Zahlbruckner: „Das gibt es nicht. Ich habe meinen Zeichenblock überall dabei, zeichne im Auto oder wenn ich den Kindern beim Fußballspielen zusehe, immer. Es wird nicht alles umgesetzt, aber ich brauche ein Blatt und einen Stift neben mir, sonst werde ich nervös, auch in der Badewanne.“ (lacht fröhlich)

Wer hilft dir?

Schöffel-Zahlbruckner: „Mein Mann Michael ist so toll, er unterstützt mich sehr, bringt und holt die Kinder, er kocht oft – was ich überhaupt nicht mag -, und meine Mami hilft mir auch, vor allem am Donnerstag in meinem Atelier in Graz. Irgendwie geht das alles.“

Wie ist Resi privat?

Schöffel-Zahlbruckner: „Leicht chao-tisch, weil ich immer zehn Sachen im Kopf habe. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, muss es immer sofort passie-ren. Ich bin nie deprimiert oder schlecht aufgelegt. Entscheidungen treffe ich aus dem Bauch, und ich tanze sehr gerne.“

Bei dir hat sich in den letzten Monaten sehr viel getan…

Schöffel-Zahlbruckner: „Ja, ich bin jetzt im Modehaus Grüner in Velden und im Jet Set‘-Geschäft in Kitzbühel vertreten. Ich bin auch sehr glücklich, dass ich die Foto- und Promotion-Girls-Kleider für die Beachvolleyball-Europameisterschaften 2015 in Klagenfurt machen darf.“

Wie kam es dazu?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich bin jedes Jahr in Kärnten auf Urlaub und hab meine Kollektion dort fotografiert. Hannes Jagerhofer ist auf mich zugekommen, er möchte auch mal Dirndln für seine Girls haben, die seine prominenten Gäste und die Spieler tagsüber begleiten. Es sind insgesamt sechs Kleider, jeweils drei für tags und abends. Ich freu mich auch sehr, da durch diesen Auftrag viele weitere Kunden und Medien auf mich aufmerksam geworden sind – ich kann selber noch nicht alles glauben.“

Und welche Pläne hast du mit deinem Grazer Atelier?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich bin jeden Donnerstag in meinem Grazer Atelier, das großartig angenommen wird. Die Leute lieben es. Deshalb möchte ich in Zukunft hier in diesen großzügig gestalteten Räumen auch Cocktailabende für Kunden und Freunde machen.“

Deine Drucke machst du aber weiterhin in Stainz?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich habe einen Tisch in Graz, wo ich drucken kann, brauche nur Model und Farben. Aber mein Lebensmittelpunkt ist hier in Stainz, und deshalb arbeite ich auch hier. In Stainz habe ich jetzt auch nur mehr ein ganz kleines Geschäft mit meinen Entwürfen in kleiner Anzahl zum Ansehen. Mit den Kindern geht es (noch) gar nicht anders.“

Welche Träume hast du noch?

Schöffel-Zahlbruckner: „Ich wäre noch gerne in Graz und Wien vertreten, am allerliebsten aber auf einigen südlichen Inseln und in herzigen kleinen Geschäften in Griechenland, Italien und Frankreich. Ich würde auch sehr gerne einmal für Designer eine Stoffkollektion machen. Es wäre interessant, was sie aus meinen Stoffen machen, vielleicht gehen sie in eine ganz andere Richtung. Mir ist immer heiß, ich wohne am Land und brauche etwas Luftiges und Unkompliziertes. Aber man kann daraus ja auch etwas ganz anderes machen …“

Wie beschreibst du dich mit drei Worten?

Schöffel-Zahlbruckner: „Kreativ, sehr gemütlich und sehr ungeduldig!“

 

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